1. Einführung
Der Islam lehrt, dass es nur einen Einzigen Gott gibt, den man auf Arabisch Allah nennt. Er hat alles erschaffen und Ihm ist alles im Weltall und auf Erden untertan. Es gibt niemanden und nichts, dass Ihm ebenbürtig ist oder mit Ihm verglichen werden kann. Gott liebt uns und Er hat uns zu unserer Rechtleitung und zu unserem Besten Seine Gebote und Gesetze durch Menschen überbringen lassen, die Er ausgewählt hat und die Propheten oder Gesandte Gottes genannt werden.
Seit der Erschaffung des ersten Menschen auf dieser Erde hat Gott in seiner Güte unter den Völkern zahlreiche Propheten oder Gesandte erhoben, so wie zum Beispiel Abraham, Isaak, Joseph, Moses, David und Jesus. Der letzte all dieser Gesandten war Muhammad (Friede sei mit ihnen allen).
Der Islam ist keine neue Religion. Er besteht aus derselben grundsätzlichen Botschaft, die Gott allen wahrhaften Religionen mitgegeben hat und alle Propheten haben dieselbe Botschaft zu unserer Rechtleitung überbracht. Muhammad (Friede sei mit ihm), der letzte Prophet Gottes, hat uns die ganze und vollkommene Bedeutung des Islam gelehrt - Unterwerfung und Hingabe in den Willen Gottes - und zwar durch seine Worte, seine Taten und das offenbarte Buch, den Heiligen Qur'an. Es ist ein großes Glück für uns, dass wir an den letzten Propheten Gottes glauben, denn Muhammad (Friede sei mit ihm) ist der Überbringer der Botschaft des Friedens und der Ergebung in Gott.
Die Lebensgeschichte des Propheten Muhammad ist sehr bedeutungsvoll, denn seine Worte, seine Taten und seine Charaktereigenschaften stellen das höchste Vorbild dar, dem wir nacheifern können. Sie ist zugleich die Geschichte eines großen Kampfes und eines großen Erfolges. Diese Geschichte ist so vollständig und wohlverbürgt, dass es überhaupt keinen Zweifel über ihre Richtigkeit und Glaubwürdigkeit gibt, denn sie ist im Lichte der niedergeschriebenen Geschichte in vollem Umfang erhalten geblieben. In den nachfolgenden Abschnitten wollen wir die Lebensgeschichte des Propheten in ihren verschiedenen Endwicklungsstadien aufzeigen.
2. Die Geburt Muhammads (Friede sei mit ihm)
Muhammad wurde am 12. Rabi-ul-Awwal 54 Jahre vor der Hidschra, oder am Montag, dem 20. August 570 nach christlicher Zeitrechnung, in Mekka in Arabien geboren, und zwar in den frühen Morgenstunden.
Im Heiligen Qur'an heißt es:
"Und sprich: 'Gekommen ist die Wahrheit, und dahingeschwunden ist das Falsche. Siehe, das Falsche schwindet schnell.' " (Sure 17 Vers 81)
Dies ist auch ausgezeichnet anwendbar auf das Leben des Propheten selbst. Sein Geburtstag ist darum ein Tag des Segens und der Freude für die gesamte Menschheit.
3. Kindheit
Muhammads Vater Abdullah starb sechs Monate vor dessen Geburt und seine sanftmütige Mutter Amina starb, als er kaum sechs Jahre alt war. So musste Muhammad (Friede sei mit ihm) schon sehr früh im Leben die Liebe von Vater und Mutter entbehren; doch er war stets der von Gott Geliebte. Er entstammte einer vornehmen Familie, nämlich dem Banu Haschim-Zweig des Stammes der Quraisch. Um dieses größte und edelste Kind Arabiens kümmerte sich zuerst nach dem Tod der Mutter der Großvater Abdul-Muttalib, doch auch dieser starb nur ungefähr zwei Jahre nach dem Tod von Muhammads Mutter. Darum wurde der junge Muhammad schließlich von seinem in Armut lebenden Onkel Abu Talib aufgenommen. So wuchs also in der Wüstenlandschaft Arabiens ein Waisenknabe ohne die Fürsorge eines Vater, die Liebe einer Mutter, eines Bruders oder einer Schwester auf. Doch Gott hatte ihn aus der gesamten Menschheit auserwählt, damit er Sein Gesandter sei und die Menschen in aller Welt vor Sünde und Vernichtung bewahre.
4. Jugend
Muhammad (Friede sei mit ihm) verbrachte seine Jugend als Handelsgehilfe, indem er seinem Onkel Abu Talib, der Karawanen mit Gütern von einem Ort zum anderen brachte, zur Seite stand. Zweimal reiste Muhammad Handel treibend mit diesen Karawanen bis nach Syrien. Er war stets bereit, jede Art von ehrlicher Arbeit zu übernehmen und hütet zeitweise sogar Schafe. Er schämte sich nie seiner Tätigkeit, auch wenn es sich um eine noch so einfache Art von Beschäftigung handelte. Er pflegte seine Kleider und Schuhe selbst auszubessern und verhalf so jeder Form von ehrlicher Arbeit zu Würde und Ansehen.
5. Gesellschaftliche Verhältnisse vor der Sendung des Propheten
Schon von seiner frühesten Kindheit an war Muhammad (Friede sei mit ihm) zutiefst bekümmert über die verdorbene Gesellschaft Arabiens. Seine Landsleute verbrachten ihre Zeit und ihre Energien mit Trinken und Glücksspiel. Die Gesellschaft Arabiens war überdies zu jener Zeit hoffnungslos zersplittert, weil sich jede Familie und jeder Stamm nur um die eigenen Belange kümmerte und es dabei zu zahlreichen Fehden untereinander kam, sobald sich nur der geringst Anlass dazu ergab. Diese ständige Bekriegung der Stämme machte Muhammad sehr traurig, denn er meinte, dass sein Volk wie eine Familie sein und sich brüderlich zueinander verhalten sollte. Wie die meisten Menschen in aller Welt damals im siebten Jahrhundert, hegte das arabische Volk weder Achtung vor seinen Frauen noch Liebe zu seinen Töchtern. Mädchen waren so unerwünscht, dass oft die kleinen Neugeborenen von ihren Vätern lebendig begraben wurden. Die Kaaba, die heiligste aller Anbetungsstätten Gottes, die schon vor langer, langer Zeit vom Propheten Abraham begründet worden war, beherbergte nun 360 Götzen, einen für jeden Tag des Jahres. Es beunruhigte Muhammad, dass diese heilige Stätte so missbraucht wurde. Die Zeit war eine der finstersten in der Geschichte der menschlichen Gesellschaft, denn selbst Christentum und Judentum hatten ihre Einflusskraft eingebüsst und deren Lehren waren verwässert worden. Muhammad war sehr besorgt über diese Zustände und wünschte sich nichts sehnlicher, als in irgendeiner Weise eine Wende zum Besseren herbeiführen zu können.